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Pressemitteilungen

Hoffnung für Zehntausende Nierenkranke in Deutschland

Modernste Frühdiagnostik – bald auch für Kassenpatienten?

 

Zum ersten Mal in der Geschichte der Medizin ist es möglich, lebensbedrohliche Erkrankungen sehr viel früher zu erkennen, als bisher. Mit der Untersuchung von Eiweiß-Molekülen aus dem Urin können Forscher jetzt Diabetes-Patienten und Nierenkranken auf der ganzen Welt helfen. Sie können verhindern, dass diese Patienten später ein Leben lang an die Dialyse müssen bzw. früher an Folgerkrankungen  sterben. Aus der wissenschaftlichen Phase sind die Experten nun heraus. Die sogenannte „Proteomanalyse“ ist marktreif, anwendungsbereit und hat in verschiedenen Studien bewiesen, dass mit ihr eine völlig neue Epoche in der Medizin beginnen kann.

Doch obwohl das diagnostische Verfahren bereits weltweit in Zusammenarbeit mit über 120 führenden Medizinern an Uni-Kliniken, deren angegliederten Bereichen und  Instituten erfolgreich getestet wird, gab es in Deutschland bislang noch kein grünes Licht für die Proteomanalyse als Leistung für Kassenpatienten. Dies könnte sich sehr bald ändern. Am kommenden Freitag (13.11.2015) veröffentlicht der Gemeinsame Bundesausschuss G-BA ein Gutachten, das er bereits im Januar 2013 beim Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in Auftrag gegeben hatte. Es geht darin um die „Proteomanalyse bei diabetischer Nephropathie“. In ein paar Monaten will der G-BA dann die Entscheidung darüber fällen, ob dieses neue Verfahren für alle betroffenen Kassenpatienten in Deutschland  zugelassen wird oder nicht.

Entscheidend sind dabei aber eben nicht nur rein medizinische Aspekte, sondern die Wirtschaftlichkeit dieses Verfahrens. Bei ca. 850 Euro liegt derzeit so ein Test, der nur einmalig erfolgen muss. Allein die Versorgung und Behandlung der rund 70.000 Dialyse-Patienten in Deutschland kostet jedoch ein Vielfaches mehr (rund 40.000 Euro pro Patient und Jahr) und schränkt die Lebensqualität und Überlebenszeit der Patienten erheblich ein.

Zur Erkennung der diabetischen Nephropathie haben Ärzte bislang nur zwei Laborwerte zur Verfügung: Das Serumkreatinin bzw. die daraus geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) und das Ausmaß des Albumins im Urin (Albuminurie). Bei genauerer Betrachtung treten erhebliche Schwächen dieser Methoden zu Tage. Die Serumkreatinin-Konzentration gibt nur ungenau die Nierenfunktion wieder. Bei Menschen mit geringerer Muskelmasse, wie Frauen, älteren Menschen oder Diabetikern führt der Serumkreatininwert oft zu einer deutlichen Unterschätzung des Nierenschadens. Beim zweiten Laborwert, der Albuminurie, kann es eine hohe individuelle Abweichung geben. Bei bis zu 50% der Diabetiker mit eingeschränkter Filtrationsleistung der Niere ist der Albuminwert unauffällig. So bleibt ein großer Teil der Nierenschädigungen unerkannt oder wird unterschätzt – mit fatalen Folgen: Die diabetische Nephropathie (entwickeln 30-40% der Diabetiker) ist in Deutschland die häufigste Ursache eines dialysepflichtigen Nierenversagens. Deshalb ist die Medizin auf neue Biomarker mit hoher Genauigkeit angewiesen.

Die Proteomanalyse erkennt Veränderungen am Gefäßsystem bereits sehr früh auf molekularer Ebene, nämlich dann, wenn die Proteine im Körper anfangen sich zu verändern. Dabei arbeitet diese Methode im Bereich der Nierenerkrankungen anstatt wie bisher mit einem (Albumin) - mit einer Anzahl von 273 Biomarkern(!). Aufgrund dieser großen Anzahl an verglichenen Eiweißmolekülen ist diese Analyse so genau. Im Schnitt können Patienten, die einen Nierenfunktionsverlust erleiden würden, 1,5 Jahre früher erkannt werden als mit dem Mikroalbumintest. 

Falls es grünes Licht geben sollte, würde dies bedeuten, dass bei Diabetikern so frühzeitig eine Nierenerkrankung erkannt wird, dass die Niere gar nicht erst stark zerstört wird und der Betroffene deshalb nicht an die Dialyse oder gar auf eine Transplantationsliste muss. Derzeit läuft die Anwendung  fast ausschließlich auf privater Basis. Das Verfahren ist auf der ganzen Welt anerkannt. In der Schweiz wenden erste Kliniken diese Diagnostik bei Hochrisiko-Patienten an. In Deutschland übernehmen zum Teil schon private Krankenkassen nach vorheriger Absprache die Kosten für so einen Test.

Erstellt 11/11/2015 von Redakteur
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