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Pressemitteilungen

Auftakt für die Nationale Kohorte: Wissenschaft kritisiert Datenbank aus Blutproben – Aussagekraft von Urin ist höher

Angesichts des Starts der Nationalen Kohorte am Montag in Essen haben Wissenschaftler den Aufbau einer Bioprobenbank aus dem Blut der 200.000 Studienteilnehmer kritisiert. „Blut ist für die Auffindung von menschlichen Informationen zur genauen und frühen Krankheitserkennung nicht geeignet. Das haben umfangreiche Studien gezeigt. Urin zeigt sich im Gegensatz zu Blut, welches sofort gerinnt und ohne sofortige Weiterverarbeitung schnell Informationen verliert, als weitaus stabiler. Selbst wenn Blut unverzüglich zentrifugiert und auf minus 80 Grad Celsius eingefroren wird, verliert es durch die Zersetzung der informativen Proteine mittels der Proteasen seinen notwendigen Informationsgehalt“, erklärt Professor Dr. Dr. Harald Mischak, Inhaber des Lehrstuhls für Biotechnologie an der Universität Glasgow, Institute of Cardiovascular and Medical Sciences. Zwar werden bei der Nationalen Kohorte auch Urinproben gesammelt, die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse auf dem Gebiet der Proteom-Forschung dabei aber ignoriert.

Professor Mischak ist Erfinder der Urin-Proteom-Analyse und weltweiter Proteomics-Experte. Seine Technologie wurde klinisch validiert sowie in mehr als 60 Studien und mehr als 180 Publikationen in anerkannten Wissenschaftsjournalen veröffentlicht. Das Verfahren beruht auf der Analyse von Peptiden, also Fragmenten von Proteinen, die zusammen mit den Proteinen selbst das Proteom bilden. Es ermöglicht unter anderem die zuverlässige Früherkennung von chronischen Nierenerkrankungen und die Verifizierung von Koronarer Herzkrankheit und systolischer und diastolischer Herzinsuffizienz sowie die Abbildung des Risikos für einen zukünftigen Herzinfarkt.

Die weltweit bedeutendsten wissenschaftlichen Fachgesellschaften würdigten die Urin-Proteom-Analyse, so wie aktuell der Europäische Neprologen-Verband ERA-EDTA in einer Presseerklärung und unlängst die American Heart Association (AHA). „Dieses diagnostische Verfahren ist revolutionär und ein Quantensprung in der Medizin“, sagt auch Professor Dr. Arnold Ganser, Direktor der Abteilung Hämatologie und Onkologie, Medizinische Hochschule Hannover. Professor Mischak und viele seiner Kollegen, die an den Studien (1) teilgenommen haben, hoffen deshalb auf ein Umsteuern von Bund, Ländern und Helmholtz-Gemeinschaft in der Nationalen Kohorte und stellen ihre Zusammenarbeit in Aussicht.

1     Zhang et al. (2014): Left ventricular diastolic function in relation to the urinary proteome: A proof-of-concept study in a general population. Int J Cardiol. Sep 2014; 176(1): 158-165; Gu et al. (2014): The urinary proteome as correlate and predictor of renal function in a population study. Nephrol Dial Transplant (2014) 0: 1-9

 

Erstellt 11/11/2014 von Redakteur
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