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Pressemitteilung

Kranke Nieren schaden dem Herzen: Internationale Forscherkooperation erkennt Herzinsuffizienz schon bei leicht verminderter Nierenfunktion

Anlässlich der aktuellen Herzwochen der Deutschen Herzstiftung, die noch bis 30. November andauern, rücken die Risikofaktoren für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung stark ins Interesse. Übergewicht sowie Verhaltensweisen wie körperliche Inaktivität und ungesunde Ernährung gelten als Hauptverursacher der kardiovaskulären Erkrankungen, auf die mehr als 40 Prozent der Todesfälle in Deutschland zurückgehen. Was dabei kaum beachtet wird: Auch eine eingeschränkte Nierenfunktion schadet dem Herzen und kann gravierende Folgen haben.

Denn laut der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) sind Herz und Nierenfunktion eng miteinander verbunden. Bei eingeschränkter Nierenfunktion reichern sich Wasser, Elektrolyte und Stoffwechselabbauprodukte zunehmend im Körper an. Die abgelagerte überschüssige Flüssigkeit behindert den Gasaustausch in der Lunge und führt dazu, dass das Blut nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt ist. Das Herz muss den Blutfluss erhöhen, aber diese Mehrarbeit kann das Herz auf Dauer nicht unbeschadet leisten, eine zunehmende Herzschwäche stellt sich ein. Von allen Patienten mit chronischem Nierenversagen ist bei 50 Prozent und mehr nicht das finale Nierenversagen tödlich, sondern eine Herz-Kreislauf-Erkrankung.

Eine der wichtigsten Herz-Kreislauf-Erkrankungen in diesem Zusammenhang ist die Herzinsuffizienz, die sich entweder mit erhaltener oder reduzierter Auswurfleistung der linken Herzkammer manifestiert. Im ersten Fall ist die Füllungsphase des Herzens beeinträchtigt (daher auch "diastolische Herzinsuffizienz"), im zweiten Fall ist die Auswurfphase und mithin die Pumpfunktion betroffen ("systolische Herzinsuffizienz"). Neuerdings sind beide Formen mittels einer innovativen Diagnostik, der Urin-Proteom-Analyse, entwickelt vom Biotech-Unternehmen mosaiques diagnostics GmbH, zu erkennen. Während für die diastolische Herzinsuffizienz bereits ein diagnostischer Test existiert, ist ein solcher Test kürzlich auch für die systolische Herzinsuffizienz geschaffen worden. Dafür hat eine internationale Forschungskooperation in zwei äußerst vielversprechenden Pilotstudien (deutsch-griechisch und deutsch-australisch) über ein halbes Jahr knapp 820 Patienten untersucht und ist damit auf dem Weg zur personalisierten Medizin ein erhebliches Stück weitergekommen. Dies ist deswegen für die Patienten so bedeutsam, weil die Herzinsuffizienz häufig erst viel zu spät erkannt wird. Zwar sind bereits in den frühen Stadien Schädigungen des Herzens vorhanden, aber es treten noch keine Symptome auf. Und in der Regel geht der Patient erst dann zum Arzt, wenn die Lebensqualität einschränkende Symptome vorliegen. Allerdings sind dann die Behandlungsoptionen gering. Je früher also die Herzinsuffizienz auch bei leicht verminderter Nierenfunktion erkannt wird, desto besser für den Patienten. Eine Herzinsuffizienz mit reduzierter Pumpleistung tritt laut aktuellem Bericht der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) bei etwa 40 Prozent aller Typ-2-Diabetiker auf, die Prognose herzinsuffizienter Patienten mit Diabetes ist äußerst ungünstig. Bei über 65-Jährigen konnten Mortalitätsraten von 80 Prozent nach drei Jahren beobachtet werden. Die Hälfte der diabetischen Patienten mit Herzinsuffizienz weist eine gestörte Nierenfunktion auf.

„Mit der Proteomanalyse steht uns ein interessantes und vielversprechendes Werkzeug zur Verfügung, um eine ganze Reihe von Erkrankungen frühzeitig erkennen und differenzieren zu können. Noch dazu ist die Probengewinnung für den Patienten einfach und schmerzfrei durchführbar. Im Bereich der Herz-Kreislauferkrankungen ist die frühzeitige Erkennung und Behandlung der systolischen und bisher unterschätzten diastolischen Herzinsuffizienz sehr wünschenswert, und die Proteomanalyse kann uns hier wichtige Informationen liefern. Auch auf dem Gebiet der nichtinvasiven Erkennung einer koronaren Herzerkrankung gibt es bereits Ansätze zur Identifizierung von entsprechenden Risikopatienten“, sagt Professor Dr. Constantin von zur Mühlen vom Universitäts-Herzzentrum Freiburg/Bad Krozingen, Klinik für Kardiologie und Angiologie I.

„Die Forschung der vergangenen zwei Jahre identifizierte einzigartige proteomische Signaturen im Urin, die die Diagnose der diastolischen linksventrikulären Dysfunktion (Beeinträchtigung der Funktion der linken Herzkammer) und einer Fehlfunktion der Harnwege verbessern sowie eine Vorhersage von kardiovaskulären und kardiologischen Komplikationen (bis zu fünf Jahre) ermöglichen. Eine weitere Beurteilung des diagnostischen Potentials dieser Biomarker in zusätzlichen longitudinalen Populationsstudien wird die Möglichkeit einer urinbasierten Früherkennung der diastolischen linksventrikulären Dysfunktion absichern. Die diastolische linksventrikuläre Dysfunktion betrifft bis zu 25 Prozent der Einwohner Europas und trägt ein sehr hohes Risiko, sich zu einer klinisch relevanten Herzinsuffizienz zu entwickeln. Somit besteht erstmals die Hoffnung, dass Kliniker durch Anwendung der auf diesen Biomarkern beruhenden Diagnostik bald in der Lage sein werden, die kardio-renalen Risiken einer Person über die klassischen Risikofaktoren hinaus abzuschätzen. Die klinische Nutzung der Urin-Proteom-Analyse als Screening- und Diagnosehilfsmittel sollte darüber hinaus früher einsetzende und zielgerichtetere präventive und therapeutische Maßnahmen vor dem Erreichen symptomatischer Krankheitsstadien ermöglichen“, sagt Jan A. Staessen, MD, PhD, Leiter des Studienkoordinationszentrums Bluthochdruck und kardiovaskuläre Epidemiologie der Universität Leuven in Belgien.

Einer von Europas führenden Nierenforschern, Professor Dr. Raymond Vanholder vom Universitätsklinikum Gent geht auf die Korrelationen zwischen Herz und Niere ein: „Diese Studie identifiziert eine Anzahl von Peptid-Biomarkern in Urin, mit denen Patienten mit einer Herzinsuffizienz von der Kontrollgruppe unterschieden werden können. Dass die Marker in Urin gefunden wurden, zeigt meiner Meinung nach auf, wie groß die Zusammenhänge zwischen Herz- und Nierenerkrankungen sind. Nicht nur, dass Patienten mit einer Nierenerkrankung anfälliger dafür sind, kardiovaskuläre Schäden – zu denen zum großen Teil die Herzinsuffizienz zählt - zu erlangen, sondern die Herzinsuffizienz macht auch anfälliger für eine gestörte Nierenfunktion aufgrund von schlechterer Durchblutung bis hin zur Mangeldurchblutung. Herzinsuffizienz ist eine häufige Komplikation von Nierenschwäche, erstens wegen der Zusammenhänge mit den kardiovaskulären Erkrankungen, aber auch weil Patienten mit einer Nierenschwäche schneller Salz und Wasser ansammeln, was zu überschüssiger Flüssigkeit führt. Außerdem teilen beide, Herz- und Nierenerkrankungen, pathophysiologische Merkmale, weil Kollagenfragmente vom Typ I und II nicht nur in dieser Studie, sondern auch in Studien gefunden wurden, die frühzeitig Biomarker für die Chronische Nierenkrankheit (CKD) aufgespürt haben. Die Studienergebnisse verweisen auf die immer noch oft verneinte Notwendigkeit, Patienten mit einer Herzerkrankung auf eine Nierenerkrankung durchzuchecken und andersherum. Außerdem sollte die Nierenschwäche mit einer aktiven Salzreduktion behandelt werden, weil die Nieren alleine nicht in der Lage sind, das Salz und die überschüssige Flüssigkeit zu kompensieren, auch wenn die Behandlung mit den ausschwemmenden Diuretika schon eingeleitet wurde“, sagte der Wissenschaftler.

Der KardiOM-RenOM Test aus der medizinischen Forschung der mosaiques diagnostics GmbH, Hannover, wird der Wechselwirkung von Herz und Nieren gerecht. Es handelt sich um einen Kombitest, der eine zuverlässige, nicht invasive Methode für das kombinierte Diagnostizieren kardiologischer und nephrologischer Erkrankungen darstellt. Der Test ermöglicht ihre frühzeitige Erkennung und Behandlung. Bei einer rechtzeitig einsetzenden Therapie kann das Auftreten einer Herzinsuffizienz sowie das weitere Fortschreiten der Nierenschädigung verhindert und damit die Prognose deutlich verbessert werden. Auch die Überwachung einer individuellen medikamentösen Therapie ist mit dem Test in hervorragender Weise sichergestellt.

Die Studien mit Bezug zur systolischen Herzinsuffizienz wurden teilweise finanziert im Rahmen der EU-Projekte EU-MASCARA und HOMAGE.

 

 

 

Erstellt 25/11/2014 von Redakteur
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