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Presseartikel

Diabetische Nephropathie: Früherkennung kann Diabetikern die Dialyse ersparen

 

Millionen Deutsche sind bereits zuckerkrank. Rund jeder dritte Zuckerkranke entwickelt fortschreitende Nierenschäden, die jährlich rund 10.000 Diabetiker zu neuen Blutwäsche-Patienten machen. Doch damit nicht genug: Ergebnisse aus bevölkerungsbasierten Erhebungen (KORA-Studie) deuten darauf hin, dass in Deutschland auf einen diagnostizierten ein unentdeckter Diabetesfall kommt [1]. Entsprechend steigt die Zahl von Dialyse-Patienten unaufhaltsam. Insbesondere sinkt das Eintrittsalter in den Diabetes, wodurch immer mehr Diabetiker die Nierenkomplikationen erleiden. Die Prognosen sind dramatisch (siehe „Zahlen und Fakten“). Dagegen können neuartige Früherkennungs-Methoden wie die Urin-Proteom-Analyse (UPA) dazu beitragen, vielen zehntausend nierengeschädigten Diabetikern das schwere Schicksal einer Dialyse zu ersparen.

Inzwischen haben die Vereinten Nationen den Diabetes als einzige nichtinfektiöse Krankheit zur globalen Bedrohung erklärt. Die Weltgesundheitsorganisation WHO und die Europäische Gemeinschaft fordern einen „Nationalen Diabetesplan“, der alle Kräfte im Gesundheitswesen und der Gesellschaft bündelt. Er soll helfen, den Folgen der Zivilisationskrankheit frühzeitig und wirksam zu begegnen. Auch Patientenverbände und Selbsthilfegruppen unterstützen die Früherkennung der vielen und schweren Komplikationen der Zuckerkrankheit. Die Zeit drängt, denn das Durchschnittsalter bei der Diagnose einer Typ-2-Diabetes sinkt ständig: Früher wurde diese Krankheit als „Alterszucker“ (65 Jahre und älter) bezeichnet. Im Jahr 2000 wurde das Eintrittsalter von US-amerikanischen Wissenschaftlern[2] durchschnittlich mit 46 Jahren angegeben. Das drastische Sinken des Eintrittsalters in den Diabetes setzt sich fort und damit die sichere Prognose, dass immer mehr Diabetiker den Nierenfunktionsverlust erleiden (bisher nur 0,7%).

Wie dramatisch sich ein Typ-2-Diabetes auf die Lebenszeit auswirkt, lässt sich genau quantifizieren: Im Schnitt leben Männer 7,5 und Frauen 8,2 Jahre kürzer was vor allem an vorzeitigen Herzinfarkten und Schlaganfällen liegt, die mit dieser Erkrankung einhergehenden [3]. Aber während kardiovaskuläre Diabetes-Komplikationen wie Herzinfarkt und Schlaganfall sowie Amputation von Gliedmaßen durch verbesserte Behandlungen reduziert wurden, konnten Nierenkomplikationen nicht relevant eingedämmt werden. Unverzichtbare Voraussetzung für deren Behandlung ist eine frühe, gesicherte Erkennung. Denn nur dann können Folgen wie Dialyse und Nierentransplantation wirksam reduziert werden. Dies macht die Bedeutung von genauen und zuverlässigen Diagnostik-Methoden wie der Urin-Proteom-Analyse (UPA) deutlich [4]. Dies gilt umso mehr, da durch die erfolgreichere Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen noch mehr Diabetiker in die Komplikationsphase der diabetischen Nephropathie eintreten.

Ein völliges Nierenversagen („terminale Niereninsuffizienz“), das eine lebenserhaltende Blutwäsche notwendig macht, entsteht als Folge einer diabetes-bedingten, jahrelang fortschreitenden Schädigung der Nieren („diabetische Nephropathie“/DN). Mit traditioneller Diagnostik – vor allem der Messung eines einzigen Proteins (dem Albumin-Eiweiß-Anteil im Urin) und der Nierenausscheidungs-Geschwindigkeit (Filtration der Niere) – wird diese lebensbedrohliche Nierenschädigung erst spät erkannt. Oft sogar so spät, dass krankhafte Funktionsstörungen oder Organschäden bereits unumkehrbar weit fortgeschritten sind. Das derzeit modernste und leistungsfähigste Diagnose-Verfahren, die Urin-Proteom-Analyse mit 273 Proteinen/Proteinfragmenten, kann die diabetische Nephropathie hingegen schon in ihren allerersten Anfängen nachweisen. Dies ermöglicht eine optimierte Behandlung des Diabetes und seiner Begleiterkrankungen. Dadurch kann das Fortschreiten der diabetischen Nephropathie tatsächlich noch wirksam aufgehalten werden.

Mit der frühen Erkennung der diabetische Nephropathie wird wiederum eine noch gezieltere Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen möglich was am Zusammenspiel des kardio-renalen Syndroms liegt. Darunter versteht man das Wechselwirken von Herz und Niere was zur Folge hat, dass eine Einschränkung eines der beiden Organsysteme ausreicht, um das andere stark in seiner Funktion zu beeinträchtigen. „Die Früherkennung der diabetischen Nephropathie kombiniert mit der zeitigen Erkennung eines Herzinfarkts durch die Proteomanalyse erfüllt den lange gehegten Wunsch der Diabetologen, den Patienten effizient behandeln zu können und ihn vor Schlimmeren zu bewahren“, resümiert Prof. Dr. Dr. Diethelm Tschöpe, Direktor des Diabeteszentrums NRW.

Die Urin-Proteom-Analyse-Diagnostik wurde anfangs in Kooperation mit der Medizinischen Hochschule Hannover von Prof. Dr. Dr. Harald Mischak entwickelt und anschließend langjährig erforscht. Für den empfindlichen Test ist lediglich eine geringe Menge Patienten-Urin nötig. Im Fachlabor werden dann die Urin-Eiweiße (Proteine) mittels Kapillarelektrophorese aufgetrennt und anschließend durch Massenspektrometrie identifiziert und quantifiziert. Diese an „Kapillarelektrophorese gekoppelte Massenspektrometrie“ (CE-MS) ist ein weltweit etabliertes, hocheffizientes Verfahren, um eine hohe Zahl von Eiweißen in einer Probe gleichzeitig zu analysieren. Die UPA analysiert dabei das Vorkommen, die Menge und die Verteilung der Eiweiße im Urin und entschlüsselt hieraus die für den Patienten und seine Erkrankung hochcharakteristisch klinischen „Proteom-Muster“. Dadurch erfolgt:

• die frühe, genaue Identifikation und Diagnose einer Nierenerkrankung wie der diabetischen Nephropathie,
• die Feststellung wie weit die Erkrankung bereits fortgeschritten ist, die Therapie auf das krankheitsspezifische Protein-Muster wirkt und
• bei Testkombinationen der Protein-Muster die Darstellung spezifischer Patienten-Eigenschaften, die bei der individuellen ärztlichen Therapie mitentscheiden, wie z.B. Risiko auf Herzinfarkt oder Früherkennung der Herzschwäche (DiaPat „KardiOM-Test“).

Zu den wesentlichen Möglichkeiten der individuellen Therapie gehören neben der gezielten Behandlung der Nierenerkrankung die optimierte Blutzuckersenkung, eine strenge Normalisierung des Blutdrucks und die effektive Behandlung einer Herzschwäche. Die UPA zur Früherkennung einer diabetischen Nephropathie steht derzeit nur selbstzahlenden Patienten zur Verfügung. Krankenkassen zahlen ihren Mitgliedern das innovative Diagnoseverfahren noch nicht. (Ausnahmeregelungen erfragen Sie am besten zusammen mit Ihrem behandelnden Arzt bei Ihrer Krankenkasse.)

Diabetes und Nierenschäden: Die erschreckenden Zahlen und Fakten
Aktuell sind etwa 6 Millionen Menschen in Deutschland an Diabetes erkrankt, was mehr als 9 Prozent der erwachsenden Bevölkerung entspricht (1998 waren es laut Krankenkassendaten der AOK Hessen lediglich 5,9 Prozent). Von den Betroffenen weiß jeder Fünfte noch nicht von seiner Erkrankung. Das Verhältnis von Typ-2-Diabetes zu Typ-1-Diabetes ist 9:1. Jeden Tag erkranken 700 Menschen neu an Typ-2-Diabetes – das sind 270.000 Neuerkrankungen pro Jahr [5]. Nach Voraussagen der IDF (International Diabetes Federation) sind im Jahr 2030 mindestens 13 Prozent Diabetes-Patienten in Deutschland zu erwarten [6]. Eine Nierenerkrankung („Nephropathie“) ist eine der häufigsten und gefährlichsten Folgen der Zuckerkrankheit [7]. Etwa 20 bis 40 Prozent aller Diabetes-Patienten entwickeln eine diabetische Nephropathie, die in fortgeschrittenem Stadium – also ohne Nierenersatztherapie – zum Tode führt. Die Zuckerkrankheit ist in den industrialisierten Ländern die häufigste Ursache der zur Dialysepflicht führenden Niereninsuffizienz [8]. Die meisten der 80.000 dialysepflichtigen Schwerstkranken in Deutschland müssen lebenslänglich mindestens 3x wöchentlich für jeweils 4-8 Stunden zur Blutwäsche – neben vielen anderen Einschränkungen ihrer Gesundheit, ihrer Lebensqualität und ihrer Lebensdauer. Bei terminaler Niereninsuffizienz tritt der Tod ohne Blutwäsche oder Transplantation nach zirka 10 bis 14 Tagen ein.

Quellen
[1] http://www.diabsite.de/aktuelles/nachrichten/2011/110603f.html
[2] http://www.diabetes-deutschland.de/archiv/3888.htm
[3] Framingham Heart Study
[4] Gregg EW, Li Y, Wang J, Burrows NR, Ali MK, Rolka D, Williams DE, Geiss
L: Changes in diabetes-related complications in the United States, 1990-2010. N Engl J Med. 2014 Apr 17;370(16):1514-23 (<http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24738668>).
[5] Deutsche Diabetes Hilfe.
[6] www.emperra.com/de/krankenkassen/statistiken-und-krankheitskosten-diabetes-mellitus.html
[7] Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2013. (http://www.diabetesde.org/fileadmin/users/Patientenseite/PDFs_und_TEXTE/Infomaterial/Diabetes_Gesundheitsbericht_2013.pdf)
[8] Nationale Versorgungsleitlinie Nierenerkrankungen bei Diabetes im Erwachsenenalter. Stand: 21.5.2013 , gültig bis 01.10.2015. (http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/nvl-001d.html)

Erstellt 12/09/2014 von Redakteur
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