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Ernst & Young Biotechnologie: Business Angel als Investoren in der Biotech-Branche

Joachim Conrads, Business Angel, Hannover

Die letzten drei Jahre zwingen zu einer tiefgreifenden Reflektion und einer Besinnung auf ökonomische Kernaussagen. Vieles wurde durch den Wunsch nach einer schnellen Exit-Strategie eines Börsengangs verdrängt.

Zu selten gelang in den Unternehmen die Verbindung zwischen gewonnener Erfahrung weitsichtiger Unternehmer und der aggressiven Spontaneität jugendlicher Investmentbanker. Die nebulöse Beschreibung von Unternehmenszwecken war nur teilweise bedingt durch den komplizierten wissenschaftlichen Inhalt. Offenkundig fehlte es an gedanklicher Klarheit für eine wirtschaftliche Ausrichtung zum unternehmerischen Erfolg. In den Zeit der Euphorie und der Explosion der Unternehmensbewertung war der Business Angel nicht in der Lage oder nicht gewillt, signifikante Unternehmensanteile zu erwerben. Den Unternehmen gingen damit jedoch wichtige unternehmerische Know-how-träger verloren.

VC versus Business-Angel

Weitestgehend bestimmten in Europa, insbesondere in Deutschland, VC-Gesellschaften die Szene. Dies trifft für den Biotech- Bereich in besonderem Maße zu, weil hier besonders hohe Investitionen notwendig sind. Für einen Privatinvestor schloss es sich aus, in die Bereiche zu investieren, die selbst von den pharmazeutischen Unternehmen aus Kostengründen erheblich reduziert oder eingestellt worden sind. Für den Business Angel sind Analysen der Verhaltensweisen der großen VC-Gesellschaften und der pharmazeutischen Industrie einer der wichtigsten Maßstäbe für seine Investitionen. Heute, so scheint es, sind VC-Dachgesellschaften und VCs belastet mit 500 Seiten starken Analysebögen, die Erfolgsaussichten von entsprechenden Unternehmensideen bewerten sollen. Ob dies die richtige Antwort auf manche Investitionsirrtümer ist oder eher der allgemeinen Verängstigung geschuldet ist, mag dahin gestellt sein.

Für einen  Business Angel, der erheblich schneller agiert und trotzdem mit klarem Verstand zielgerichtet seine Investitionen vorantreibt, bietet dies Chancen. Manche Unternehmer haben aus der vergangen Zeit ihre Lehre gezogen, ihr Privatvermögen zumindest in teilen selbst zu managen. Für die Biotech-Branche spricht in jedem Fall der hohe moralische Stellenwert. Nichts scheint wichtiger, als Menschen in der Bekämpfung der sie heimsuchenden Krankheiten zu helfen. Diese moralische Kategorie wird einen erheblichen Ausschlag schon in naher Zukunft für diesen Bereich bringen. Es wird eine andere inhaltlichere Zusammenarbeit zwischen VC-Gesellschaften und Business Angel geben.

Was wählen im Bereich Biotech?

Entscheidend wird die Auswahl der Biotech-Bereiche sein, in denen der Business Angel seine Investition tätigt. Investitionen in Plattformtechnologien erscheinen dabei am aussichtsreichsten. Zum einen sind die vorgestellten Technologien in ihren Versionen besser überprüfbar und das entsprechende Risiko abschätzbarer, zum anderen wird das Team in seiner notwendigen interdisziplinären Struktur und der Fähigkeit zur Zusammenarbeit einschätzbarer sein. Weiterhin sind staatliche Investitionen zunehmend geneigt, Privatinvestoren bei ihren Investitionen in die entsprechenden Unternehmen zu unterstützen. Der Vertrauensbonus, der notwendigerweise daraus resultiert, dass der Privatinvestor sein eigenes Geld in ein entsprechendes Unternehmen steckt und wissen wird, was er tut, ist außerordentlich hilfreich.

Von Bedeutung scheint auf dem Markt derzeitig zu sein, dass Einzelerfolge sichtbar werden. Meine Investition in die mosaiques diagnostics and therapeutics AG war von der Suche bestimmt, eine enabling Technologie zu finden, die Proteinanalysen in kürzester Zeit und im gesamten Bild mit einer entsprechenden Software dokumentiert, um somit schnellstmöglich an den zu übereinanderlegenden Vergleichen der Proteinspiegel Krankheiten in einer hohen Genauigkeit zu diagnostizieren und durch den Vergleich Auswirkungen von Medikamenten auf den Proteinspiegel sichtbar zu machen.  

Von extremer Wichtigkeit war für mich, bei der Investition die Fähigkeit zur Zusammenarbeit der Disziplinen, bestehend aus Physikern, Softwarespezialisten, Biochemikern und Medizinern. Imponierend war, dass auch etablierte Technologien, gleich von welchem Hersteller, in Frage gestellt und im Wesentlichen für den spezifischen Zweck verändert wurden.

 

Einfluss eines Business Angel

Der Vorteil eines Business Angels liegt darin, sich aktiv in die kaufmännischen Zusammenhänge einzuschalten und einzubinden. Zum einen ist es eine Vergeudung der Ressourcen, wenn kreative Wissenschaftler sich nur mit administrativen Aufgaben beschäftigen, zum anderen erbringt ein aktiver Privatinvestor die für das Unternehmen nicht wegzudenkende Glaubwürdigkeit und gewinnt das offensichtlich in letzter Zeit so häufig verlorenen Vertrauen zurück.

Ohne öffentliche Gelder sind derartige Investitionen nicht denkbar. Die öffentlichen Gelder werden nur auf Grundlage wissenschaftlicher Gutachten bedeutender Institute ausgereicht; ein weiteres Kriterium für den Business Angel, zu einer gesicherten Anlage zu kommen.

Die Glaubwürdigkeit des Business Angel hängt auch von seinem Standort ab. Alleinig aus steuerlichen Aspekten über eine Investitionsgesellschaft mit Auslandssitz zu agieren, kann eher abträglich sein. Es wird im Einzelfall zu erwägen sein, welche Investitionskonstruktion gewählt wird.

Joachim Conrads ist Preisträger der „Goldenen Nase" und damit „Business Angel des Jahres 2002", vergeben vom Business Angel Netzwerk Deutschland (BAND)

Auszug aus dem Ernst & Young Biotechnologie-Report 2003

 

Erstellt 01/05/2003 von admin
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