Lesen Sie mehr
Lesen Sie mehr
Lesen Sie mehr

Pressemitteilung

Mehr Sicherheit für Leukämiepatienten nach Blutstammzelltransplantation

Eine lebensgefährliche Bedrohung für Blutstammzellempfänger ist die schwere Graft versus Host Disease (Spender gegen Empfänger Krankheit)

Die Medizinische Hochschule Hannover entwickelte zusammen mit der mosaiques diagnostics & therapeutics AG eine Frühdiagnostik dieser folgeschweren Erkrankung

Hannover – Jedes Jahr erkranken in Deutschland 12.000 Menschen an Leukämie, 5% davon sind Kinder. Eine Blutstammzelltransplantation ist dann oft die einzige Rettung für diese Patienten. Der Eingriff ist riskant und mit erheblichen Kosten verbunden. Zunächst zerstört eine hoch dosierte Chemotherapie alle sich schnell teilenden Zellen, vornehmlich die Tumorzellen, aber auch die Stammzellen des blutbildenden Systems. Die sofortige Versorgung mit gesunden Blutstammzellen von einem geeigneten Spender ist danach überlebenswichtig.

Die Kosten belaufen sich hierbei auf 100.000 bis 150.000 Euro pro Patient; treten Komplikationen auf, dann steigen die Kosten auf das Zwei- bis Dreifache. Diese Behandlungskosten müssten, wenn es nach einer Studie des Kölner Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) geht, in naher Zukunft nicht mehr von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden. Nach Ansicht des IQWiG gäbe es keinen wissenschaftlichen Beleg für den Nutzen und die Überlegenheit von Blutstammzelltransplantationen gegenüber einer Chemotherapie bei Erwachsenen. Über die Konsequenzen dieser Studie entscheidet im April der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), der den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen festlegt. Folgt der Ausschuss der Studie, dann wird die lebensrettende Blutstammzelltransplantation für den erwachsenen Patienten unbezahlbar.

Ein sinnvolle Maßnahme, die Gesamtkosten für die Blutstammzelltransplantation in einem weiterhin finanzierbaren Rahmen zu halten, ist die frühzeitige Erkennung von Komplikationen, wie beispielsweise der GvHD (Graft versus Host Disease = Spender gegen Empfänger Krankheit). In über der Hälfte der Transplantationsfälle erkennen die Immunzellen des Transplantats (graft) die gesunden Zellen des Empfängers (host) als fremd und attackieren diese. Die schnelle Einleitung von therapeutischen Maßnahmen ist für den Patienten überlebenswichtig, doch die Diagnose ist oft schwierig, da die Symptome mehrdeutig und denen von Entzündungen ähnlich sind. Die eindeutige, rasche und frühe Diagnose der GvHD erlaubt die frühzeitige Entscheidung für eine Therapie und kann so schwere Organschädigungen verringern und hierdurch die Kosten einschränken und vermeiden helfen.

Jetzt haben Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover, unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Eva Mischak-Weissinger, in Zusammenarbeit mit der mosaiques diagnostics & therapeutics AG, eine von ihnen etablierte Früherkennungsmethode weiter verfeinert. In einer internationalen, geblindeten, multizentrischen und von der Deutschen Jose Carreras Leukämiestiftung und dem Land Niedersachsen geförderten Studie an 141 Patienten belegten sie den großen Wert, ihrer auf klinischer Proteomanalyse beruhenden Methode. Mit dem Verfahren lassen sich Komplikationen, wie die GvHD, im Mittel bis zu 7 Tage früher diagnostizieren und vorbeugen. Wertvolle Zeit, die zur Behandlung des Patienten zur Verfügung steht. Darüber hinaus kann der Erfolg der eingeleiteten Therapie mit dieser einzigartigen Methode überwacht werden.

Ihre Studienergebnisse veröffentlichten die Forscher in der Fachzeitschrift BLOOD (Ausgabe: April 2007), unter dem Titel: Proteomic patterns predict acute graft-versus-host disease after allogeneic hematopoietic stem cell transplantation. Zudem fand die Vorstellung der Studienergebnisse auf dem internationalen Expertenkongress Chronic Graft-versus-Host Disease: Implementation of the NIH Consensus Criteria for Clinical Trials in den USA große Annerkennung. Herr Pavletic, Leiter der Konsensuskonferenz zur Diagnose und Therapie der chronischen Verlaufsform dieser Komplikation, hob hervor, dass ein von Untersuchern unabhängiges, objektivierbares Diagnoseverfahren im Bereich der cGvHD-Diagnostik einen unmittelbaren Stellenwert hat, berichtete Frau Prof. Dr. Eva Mischak-Weissinger, Leiterin der Arbeitsgruppe Transplantationsbiologie an der Medizinischen Hochschule Hannover.

Erstellt 26/03/2007 von Redakteur
Facebook teilen Twittern   
>> Diese Seite weiter empfehlen! <<